Viele Tiere – Viel Gülle – Viel Nitrat

In der letzten Woche gab es Nachrichten über eine neue Düngeverordnung.
http://www1.wdr.de/nachrichten/guelle-duengerecht-nrw-100.html
Diese soll nötig sein, da der EU aufgefallen ist, das wir etwas viel Nitrat im Grundwasser haben.
Ich hab das jetzt zwar nicht studiert, aber viele Tiere machen große Haufen. Und viel Gülle auf dem Feld macht am Ende Nitrat im Grundwasser.

Nun fallen diese Tiere, welche braucht um die kritischen Mengen von Hinterlassenschaften zu erzeugen, nicht vom Himmel. Die stehen vielmehr in extra dafür gebauten Ställen.
Das diese wie Pilze aus dem Münsterland, hatte ich an anderer Stelle schon bemerkt.
https://flic.kr/p/EX2igs
https://flic.kr/p/ufpoBv

Hier und da stehen vorn sogar die von Münsterland-Touristik geforderten fünf Alibikühe, damit es nach Ferien auf dem Land aussieht: https://flic.kr/p/o28D4J

Vermutlich braucht es für den Bau einer solchen Fleischfabrik eine Genehmigung. Und die mit großer Sicherheit gesponsorten Photovoltaikanlagen, welche sich auf vielen Dächern wiederfinden, dürften auch einen bürokratischen Vorlauf haben.

Möglicherweise bin ich ja etwas zu pessimistisch, aber die Nitratproblematik kann jetzt nicht wirklich etwas sein, das die Verantwortlichen ernsthaft überrascht. Das ganze ist gewollt! Oder zumindest auf knapp kalkuliert. Und dabei lasse ich die Ethik der Massentierhaltung sogar noch ganz aussen vor. Wie schlau es zudem ist, viel mehr Lebensmittel zu erzeugen als in vertretbarem Umkreis überhaupt verzehrt werden können darf sich auch jeder ganz allein für sich überlegen.

Migräne und die Nitrate

Als ich gestern in meinem abendlichen Podcasts die entsprechende Meldung „abhörte“, schwante mir schon, das dies wieder ein wenig Unheil bergen könnte.

Die Meldung findet sich hier:
http://www.deutschlandfunk.de/meldungen-liste-forschung-aktuell.1508.de.html?drn:date=2016-10-19&drn:news_id=668659

„Wer mehr Bakterien im Mund hat, die Nitrat zu Nitrit umwandeln können, bekommt häufiger starke Kopfschmerzen wie Migräne.“ So weit, so gut.
Die Forscher haben das Vorkommen der entsprechenden Bakterien mit der Angabe der Probanden auf einem Fragebogen abgeglichen, wie oft sie unter Migräne leiden würden.
Es hat also nichtmal jemand geprüft ob die entsprechenden Probanden wirklich unter Migräne leiden und auch entsprechend Diagnostiziert sind. Die Praxis zeigt, das „Migräne“ da eher ein sehr schwammiger Begriff als eine scharfe Definition ist.
Wenn ich einen Bandscheibenvorfall habe, dann macht es da auch einen Unterschied ob das im Lenden- oder Halswirbelbereich ist.
Die entsprechende Meldung geistert zwar seit gestern durch die Medienlandschaft, jedoch finden sich nirgends Zahlen die uns verraten würden, wie auffällig denn nun die Korrelation ist.
Der Rest der Theorie ist indes gut vorstellbar. Ein Bakterium in der Mundhöhle – so steht es überall, aber ich glaube eher, das es nicht nur da, sondern eher im gesamten Verdauungstrakt vorhanden ist – wandelt Nitrate aus der Nahrung zu Nitrit. Im Blutkreislauf kann das Nitrit dann in gefäßerweiterndes Stickstoffmonoxid umgewandelt werden. Was ich so noch nie gehört habe und einfach erstmal glauben muss.
Die Idee dahinter? Ein simples Mundwasser als Migränemittel.
Im Ernst: Die Bakterien sollen nur im Mund ausreichende Mengen wandeln? Oder braucht es eben Magen und Darm zusätzlich. Dann würde jetzt aber ein Mundwasser vielleicht nicht wirklich ausreichen.
Irgendwas klemmt an der Geschichte noch. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das nichtmal Grundlagenforschung oder eine gesicherte Erkenntnis, sondern ein Zufallsfund.
Das ist nichts schlimmes, das war das Penicillin auch auch.
Es darf gern weiter geforscht werden. Aber Überschriften wie „Migräne entsteht im Mund“ sind mehr als deplaziert.
Schade, das sich hier sogar das Radio auf Click-Bait-Niveau hinunter begibt.
Formulierungen wie „möglicher Triggerfaktor“ treffen es da eher.