Kleiner Ausflug zu den Elektrischen

Was ich auch nicht wusste …

Eric Vegt hat sich nach der Track-Diesel einem kleinen elektrischen Dreirad zugewandt und es E-One getauft, das war soweit bekannt. Aber das es die Idee tatsächlich sehr ähnlich schon mal vor 30 Jahren gab, das ist damals an mir vorbei gegangen. Ich muss zu sehr mit meinem C64 beschäftigt gewesen sein.

http://heise.de/-2515513
http://www.e-one.nl/
https://www.facebook.com/pages/E-ONE-100-Elektrisch-rijden/361365530623034?fref=ts
http://www.c5owners.com/

Der elektrische Reiter

elektromotorrad-harleydavidson-project-livewire

Der Moment in dem du etwas wahrnimmst, ist nicht zwingend schon der Moment in dem du von etwas erfährst.
Elektrische Fahrzeuge sind prinzipiell nichts neues. Als die Menschheit sich vor gut 100 Jahren daran gemacht hat motorisierte Fahrzeuge für den Individualverkehr zu erfinden, zu entwickeln und zu entdecken gab es fast so etwas wie einen Wettbewerb zwischen Stromgetriebenen und Benzinverbrennenden Fahrzeugen. Der erste Porsche war ein Elektrischer.
Obwohl es damals für beide Systeme noch keine Infrastruktur gab machte der Hubkolbenmotor das Rennen. In den folgenden hundert Jahren haben wir uns viel Mühe gegeben eine Autogerechte Welt zu erschaffen. Wir Motorradfahrer nutzen deren Infrastruktur mit. Ob es übrigens in den Pioniertagen auch elektrische Motorräder gab ist mir nicht bekannt. Wikipedia verrät, das es in Frankreich 1897 elektrische Schrittmachermaschinen für den Bahnradsport gegeben hat. Fast scheint es, als sei dann gut 100 Jahre Ruhe gewesen. Noch länger als bei den mehrspurigen Fahrzeugen. Da gab es mit dem General Motors EV1 eigentlich schon in den 1990ern ein vielversprechendes Fahrzeug, das aber Kraft des Willens der Konzernbosse nicht überleben durfte. Die ersten Elektromotorräder sind inzwischen auch seit etwa 10 Jahren auf dem Markt. Gesehen habe ich auf der Straße indes noch keines. 2009 fand das erste Straßenrennen mit Elektromotorrädern auf der Isle of Man statt. Das sind auch schon 5 Jahre. Von einer Revolution bislang keine Spur.
Im Juni 2014 tritt dann überraschend Harley-Davidson mit dem #ProjectLiveWire auf den Plan und produziert gefühlt in 24 Stunden mehr rascheln im Blätterwald als alle anderen Elektromotorräder vorher. Dabei handelt es sich nicht um eine Markteinführung, sondern um die Vorstellung eines Prototyps, welcher jetzt über ein Jahr rund um die Welt vorgezeigt werden soll um Kundenreaktionen zu ermitteln.
Dieselkrad.info entstand aus der fixen Idee ein Motorrad mit einem Dieselmotor anzutreiben. Es war wohl eher Spieltrieb und der Wunsch einfach etwas Besonderes zu sein als die Idee von einer besseren Welt. Ok … diese Intention will ich Harley jetzt auch nicht unterstellen.
Die technischen Daten und möglichen Vorzüge der Project LiveWire will ich hier auch gar nicht publizieren oder diskutieren. Ich empfinde aber allein ihre Vorstellung als Änderung der Gangart. Bislang haben sich im Zweiradsektor nur Exoten und Nischenproduzenten um die Elektrifizierung gekümmert. Jetzt tut das einer der Großen. Und dann einer der traditionsbehafteten. Harley ohne V2? Geht nicht!
Oder eben doch. Dann aber ganz anders.
Es gab ja auch eine Zeit vor dem Verbrennungsmotor. Ohne Kurbelwellen, Pleuelstangen und ölverschmierte Finger. Also kann es auch eine Zeit danach geben. Wir sind jedoch so fixiert auf die Lebensäußerungen der oszillierenden Kolben, das Harleys e-Bike einen Soundgenerator bekommt. Oder besser … bekommen soll.
Denn es ist ja ein Prototyp.
Wie wird das Leben mit diesen Elektromobilen? Werden sie unsere Straßen bevölkern, oder schaffen wir es vorher den bislang fossilen Brennstoff mit Algen oder mutierten Bakterien zu erzeugen?

Ein Problem liegt in der Energiedichte. Das Verhältnis von Akkus zu den heute üblichen Flüssigbrennstoffen liegt bei etwa 1 zu 100 (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Energiedichte). Auf der Grundlage ist die Idee eines elektrischen Antriebs eigentlich irrsinnig. Jedoch setzen sich täglich viele Menschen für eine Distanz ins Auto die man besser mit dem Fahrrad fährt. Damit reicht es dann doch für den Alltag. Diese Umstände sind bekannt  und es soll jeder darüber denken was er mag. Wirklichen Konsens wird es hier sowieso nie geben.

Ebenfalls keinen Konsens hat es jemals bei den Motorenkonzepten von Motorrädern gegeben. Ok, Heckantrieb hat sich durchgesetzt. Aber zwischen einem und sechs Zylindern findet jedes Konzept seine Freunde. Was wird mit diesem ganz bewussten Charakter? Bei elektrischen Fahrrädern gibt es derzeit diesen Charakter durch die Wahl der Positionierung des Motors. In das Vorderrad? In das Hinterrad? Unter das Tretlager? Was wird aus dem rhythmischen Leerlauf, welcher einem im Bestfall eine Grünphase an der Ampel verträumen lässt? Das Umdenken könnte schwierig werden. Wenn die Jungs mit dem Algensprit nicht schnell genug sind oder tatsächlich mal ein Akku mit einer ernstzunehmenden Energiedichte erfunden wird.

Harley-Davidson Project Livewire

Mehr zu Harleys großem Pedelec: http://project.harley-davidson.com/

Johammer J1 – Warum tun die das?

In den letzten Tagen geistert das Elektromotorrad Johammer J1 durch die Online-Presse. Und das nicht nur National. Damit hat das wahrscheinlich noch kleine und junge österreichische Unternehmen erst einmal alles richtig gemacht. Die Welt muss von einem neuen Produkt erfahren. Nur dann kann man es auch verkaufen.
Das Produkt ist ein ein Elektromotorrad mit 11 kW und Reichnweiten von 150 km bis 200 km, je nach Modell. Weitere technische Details mag ich jetzt nicht abschreiben. Die könnt ihr auf der Webseite des Herstellers nachlesen, oder in den zahlreichen Berichten der Online-Presse. Wie überall geschrieben, fällt das Motorrad durch sein definitiv eigenständiges Design auf. Das ist wahrscheinlich gut so.
Beachtlich finde ich die Zusicherung einer Lebensdauer von 100.000 km für einen Akku!
Was mir aber auch auffällt ist, das es Platz für eine Person und absolut kein Gepäck bietet. Wie das aerodynamische Verhalten der Scheibenräder ist, möchte ich eigentlich gar nicht wissen.
Kosten tut das Ganze in etwa so viel wie zweieinhalb Sommer Diesel.

Und dennoch dünkt mich das Gefühl, das es genau das braucht um Erfolgreich zu sein. Also ausreichende Stückzahlen absetzen zu können. Bei diesen wird von 50 Exemplaren pro Jahr gesprochen. Ihr müsst also keine Sorge haben demnächst eine Johammer vor jeder Eisdiele zu treffen. In diesen Dimension verkauft Jochen Sommer seine 462 Diesel seit gut 10 Jahren.

Was ich nicht ganz verstehe. Nein … ich verstehe es ganz und gar nicht.
Elektromobilität soll vernünftig sein. Die Johammer ist es nicht. Allein schon wegen dem fehlenden Wetterschutz. Wieso tickt der Mensch so? Wieso mag er Spielzeug lieber als pragmatische und nützliche Dinge?

Und wieso müssen diese elektrischen Fahrzeuge alle klingen wie ein vorbeifahrender Gabelstapler?
Mit einem halben Auge werde ich sicher immer mal wieder einen Blick auf die angebliche Zukunft der Mobilität werfen, aber dieselkrad.info wird nicht zu alternativbetrieben.info. Ich bleibe in der Nische.

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