Quo Vadis Dieselmotorrad

VW XL1Seit ich vor nunmehr zwei Monaten einen leibhaftigen XL1 bei einem VW-Händler in Gelsenkirchen stehen sah, rangieren einige Gedanken in meinem Kopf. Und ich komme mir dabei vor wie ein Verschwörungstheoretiker, obwohl ich mir ziemlich sicher bin Recht zu haben. Die Erkenntnis ist letztlich keine wirklich neue: Die Welt ist verrückt. Und der Mensch prahlt nun mal viel lieber, als sorgsam mit Ressourcen umzugehen. Den XL1 gibt es. Den Lupo 3L gab es ja auch mal. Der hochverdichtende Teil des XL hat zwei Zylinder und leistet rund 50PS aus 800cm³. Damit sind wir das erste mal in Zahlenbereichen angekommen, die man von Motorräder gewohnt ist. Nein, das ist nicht neu, denn der XL1 ist in dieser Form ja seit 2011 auf dem Radar. Damals allerdings nur als Studie, jetzt im Verkaufsraum um die Ecke. Zumindest theoretisch angekommen. Doch dabei wird es vermutlich bleiben. Zum einen fehlt VW aufgrund des Abgasskandale dafür in absehbarer Zukunft vielleicht tatsächlich der Atem, zum anderen will das ja gar keiner wirklich. Zwar ist er tatsächlich in den Motorgazetten getestet worden. http://www.auto-motor-und-sport.de/einzeltests/vw-xl1-limitierter-supersparwagen-8577142.html Und man kann ihn prinzipiell sogar kaufen. Das von mir in Gelsenkirchen gesichtete Exemplar gehört einer regionalen Autohauskette, die ihren Vorführer zum geschmeidigen Preis von € 113.440,- anbietet. http://www.tiemeyer.de/de/auto/gebrauchtwagen/vw/13631157/xl1-sitzbezuege-in-alcantara-led-klimaanlage.htm Schätzungsweise werden sich genügend betuchte Sammler erbarmen. Die laut Wikipedia produzierten 200 Stück finden sicherlich einen trockenen Stellplatz und werden nie im Straßenbild auftauchen. https://de.wikipedia.org/wiki/VW_XL1

VW VOLKSWAGEN XL Sport 2015 blue vltUnd es kommt noch schlimmer. Volkswagen hat im letzten Jahr den XL1 komplett pervertiert und nebenbei unsere leisen Hoffnungen aus der Ducati-Übernahme vernichtet. Sie haben einen Ducati-V2 hineingesteckt und ihm Breitreifen aufgezogen. Ich mag selber gar nichts dazu schreiben, wer wissen will, liest hinter dem Link weiter.
http://www.bimmertoday.de/2014/10/06/vw-xl-sport-2014-paris-live-fotos-xl1-ducati-motorrad-motor/

Was ich aber ebenfalls nicht machen kann/will, ist mich über den Hersteller zu beschweren. Der hat ja was auf die Räder gestellt und der Kunde hat es nicht wirklich haben wollen. Letztlich wird gebaut, was gekauft wird. Und Effizienz scheint niemanden zu erregen.

Das kam mir insbesondere in dem Moment in den Sinn, als ichi kürzlich über zwei Youtube Links gestolpert bin, die zwei – sachlich gesehen – völlig unnötige Motorräder zeigen. Motorräder in denen ein V10 aus einer Viper und ein V12 von Aston Martin verbaut wurden.
Und was erregt da jetzt?
Mich die Zugriffszahlen. Der V10 hat ca. 1,4 Millionen und der V12 knapp 3 Millionen Views.
Mit den folgenden Links könnt ihr die Zugriffszahlen noch weiter erhöhen.
https://youtu.be/DJS2cthIoFg & https://youtu.be/wU_Nt-H0bAE
Ich erlaube mir das als deutliches Indiz dafür zu setzen, worauf der Homo Kompression steil geht.
Es darf jeder dazu denken was er mag, für mich ist das inzwischen die Ausprägung einer erschreckenden Kurzsichtigkeit der ganzen Menschheit. Die ist da moralisch noch nicht lange aus der Höhle raus. Wenn es was zu fressen gibt, dann schlägt man sich den Bauch voll. Ohne Rücksicht auf das morgen. Auch eine Form von Achtsamkeit. Erkennt man an den vielen übergroßen Wagen, die für unnötig kurze Strecken allerorten die Straßen füllen. In denen ist sich jeder selbst der Nächste.

Und was bedeutet das jetzt für uns?
Nix!
Weil das alles nichts Neues ist. Wir waren immer Nische, sind Nische und werden mit großer Wahrscheinlichkeit Nische bleiben.
Damit habe ich kein Problem und ihr hoffentlich auch nicht. So bleibt es bei uns eben gemütlich.

Wenn wir aber nicht zurücklehnen, sondern doch noch etwas Neues präsentieren wollen, dann wird dies in Zukunft einen gewissen Aufwand bedeuten.
Passend dazu ist dieser Aufruf im Kneeslider, obwohl gar nicht für Dieselmotorräder gedacht.
http://thekneeslider.com/we-dont-need-any-more-custom-motorcycles-we-need-prototypes/
Wir haben letztlich alle verfügbaren Motoren verbaut und gezeigt, das sich damit absolut fahrbare Motorräder auf die Räder stellen lassen. Noch ist keiner mit einer Diesel um die Welt gefahren, aber knapp um die halbe. Wenn es spannend, und nicht nur gemütlich, bleiben soll, dann muss irgendwer anfangen Gehäuse zu gießen oder den 3D-Drucker anzuschmeissen.
Ich selber habe weder die Möglichkeiten noch die Fertigkeiten dazu. Aber ich habe die Übersicht, das es die benötigten Komponenten gibt, das sie nur noch nirgends entsprechend zusammengefügt wurden.
Ich bin mir sicher, das es ginge, wenn man wollte. Ich bin mir aber ebenfalls im klaren darüber, das dieses einen sehr großen Aufwand darstellt und die Möglichkeiten vieler Heimwerkstätten deutlich übersteigt. Dazu bräuchte es wohl mehr als ein Schweißgerät. Daher habe ich kein wirkliches Gefühl ob solche kühne Visionen jemals Wirklichkeit werden. Weil es einfach zu kompliziert und aufwändig ist, oder weil Akkus mit höherer Energiedichte auf den Markt kommen und die Elektromobilität ein größeres Stück vom Kuchen bekommt. Ich werde es beobachten und euch hier erzählen.

Vetter Fuel Economy Challenge

Ein Spritspar-Rennen im Sommer 2015. Es tritt an – eine Guzzi aus dem Jahr 1971 mit der Landmaschinenversion eines unserer Lieblingsdiesel; Dem Daihatsu Dreizylinder. Der hat so nur noch 28 PS und ist immer noch flatschneu als guter alter Low-Tech Vorkammerdiesel mit vollmechanischer Einspritzpume zu bekommen. Dann steht halt Briggs & Stratton drauf, und nicht Daihatsu. Was auch daran liegt, das meines Wissens nach Daihatsu Diesel in den USA gegeben hat.

Ousterhout-engine-928-webJohn Ousterhout heisst der Mann, der seine Guzzi mit dem Daihatsu / Briggs & Stratton Diesel veredelt hat, um bei der Vetter Fuel Economy Challenge im Sommer 2015 teilzunehmen. Weil mit Diesel ja jeder fahren kann und John auch noch Hühnerbauer ist, füttert er die Maschine mit Biodiesel, den er irgendwie aus der Hühnerschei…. sorry, dem Geflügelexkrementen destilliert.
Ist das Großartig? Wahnsinnig? Irrsinnig? Oder einfach nur erschreckend, das ein solches Gefährt bei einer Verbrauchswettfahrt überhaupt eine Chance hat? Rational gesehen nicht. Zu groß und zu schwer. Dafür hält es länger.

http://www.craigvetter.com/pages/2015-Streamliner-pages/2015-Ousterhout-Diesel-p82.html

So ein Quatsch – Wir sind die Normalen

Sinnbefreites-MotorradzeugsMöglicherweise werde ich alt und langweilig. Oder ich bin schon längst ein verschrobener Kauz.
Als ich Bilder von den teilnehmenden Motorrädern der AMD World Championship of Custom Bike Building im Rahmen der Intermot in Köln sah, reagierte ich gelangweilt impulsiv. „Unfahrbare Scheisse!“ schoss es mir durch den Kopf. Daneben präsentierte Team Green 300 PS in einem Motorrad. Die Typenbezeichnung habe ich längst schon wieder vergessen. Da guck ich doch lieber nach den Hostessen.
Ich kann kaum ändern, das es so ist. Und natürlich gilt auch „jedem das seine“. Aber die Zeiten in denen ich mit großen Augen zu Motorradtreffen, -messen und -ausstellungen gefahren bin, sind lange vorbei. Diese Wettrüsterei vorbei an dem tatsächlich Bedarf langweilt mich. Das es auf dieser Welt weiterhin eine Statussymbol ist, sinnlos Ressourcen zu verschwenden, widert mich gar an.
Evolutionär geht es möglicherweise aber gar nicht anders. Motorräder und auch Autos sind lange fertig. Wir können drüber streiten, ob das mit Hondas CX oder erst mit der NTV so weit war. Oder ob es doch ein BMW Boxer war. Autos erhalten seit Mercedes ehrwürdigem W124 nur noch Features, für welche die Marketingabteilungen erstmal aufwändig einen Scheinbedarf erzeugen müssen. Dafür hält nix mehr so lang.
Eine der besten Zeiten auf dem Top Gear Test Track wurde mit einem Caterham Super 7 gefahren. Dem möglicherweise ausstattungslosestem Auto, welches es heute noch zu kaufen gibt. Mit „nur“ zwei Litern Hubraum, dafür ohne jegliche Assistenzsysteme.
An Hondas Cub kann man übrigens auch schon lange nichts wesentliches mehr verbessern.
Die Dinger sind fertig und die kapitalistische Evolution verzettelt sich mit dem, was sich Weiterentwicklung nennt.
Gilt im übrigen auch für Mobiltelefone und Betriebsysteme.

North Coast Custom - Fiat Abarth
Ein kurzer Lichtblick war dieses Motorrad von North Coast Custom aus Italien. Den Motor könnte man für einen Lombardini-Diesel halten. Es ist aber keiner. Es ist der Zweizylinder aus dem Fiat 500. So nennt sich das Krad denn auch Abart 500. Im Rahmen des Wettbewerbs wurde die ein oder andere schöne Kreation erschaffen, nur fahren kann man damit nicht mehr wirklich. Noch sieht immerhin alles rollfähig aus.
Dagegen nimmt sich jedenfalls der Dieselmotorradfahrer und -erbauer in meinen Augen aus überaus vernunftorientiertes Wesen heraus. In diesem Sinne – Liebe Dieselschrauber, bleibt so langweilig wie ihr seit!