Ein Blick zu den Nachbarn – Welchen Sinn hat Migräne?

Diesen Titel trägt ein Eintrag in dem sehr lesenswerten Blog von Markus Dahlem.

http://www.scilogs.de/hirnnetze/eine-frage-markus-dahlem/

Da mich die gleiche Frage auch schon ein Weile beschäftigt, will ich hier meine Sicht der Dinge zum besten geben.

Die Migräne hat keinen Sinn – Sie ist eine Nebenwirkung.

Manche Menschen werden in der Sonne rot, andere braun. Wie sich das für den einzelnen verhält ist uns mitgegeben. Die Gene seien das, sagt man.
Hilft nix, es ist wie es ist und es bleibt wie es war. Wer Sommersprossen hat, trägt besser einen Hut. Wie viel ich von Pigmentierung und Hautschichten weiss, ändert daran gar nichts. Ich habe eine bestimmte Disposition, die gehört zu mir und meinem Körper und danach habe ich mich zu richten. So ein Sonnenbrand ist nun eine wunderbar einfache Sache, die jedermann ziemlich schnell mit der Ursache in Verbindung bringen kann. In Folge ist es für den Betroffenen einfach sich dementsprechend zu verhalten. Da es zwischen den Extremen viele Graustufen gibt, reicht es dem einen sich einzucremen. Andere tragen wirklich Hut und lange Ärmel oder gehen bei Sonne gar nicht vor die Tür.
Bei einer Migräne sind die Zusammenhänge zwischen Ursache und Auswirkung oftmals leider weder eindeutig noch so unmittelbar zuzuordnen.
Die Migräne ist aber nicht einfach so eine Nebenwirkung. Sie ist gewissermaßen der Preis für eine Fähigkeit.
Auch wenn durchaus kontrovers darüber diskutiert wird, bin ich mir nach rund zwei Jahrzehnten entsprechender Beobachtungen ziemlich sicher, dass es so etwas wie eine Migränepersönlichkeit gibt. Migräniker sind tendenziell gewissenhaft, pflichtbewusst und aufopfernd. Wir lassen nichts liegen und machen sogar noch die Arbeit von anderen fertig. Migräniker sind dazu wahrnehmend. Kriegen auch im Augenwinkel noch alles mit. Hören noch gesprochene Sätze am Nebentisch. In Menschenmengen, oder nur im Supermarkt laufen andere Menschen schon mal an dir vorbei, weil sie quasi mit Scheuklappen durch die Welt gehen. Ein Migräniker sieht sich immer zuerst. Dank dieser fehlenden Scheuklappen steht das Migränehirn im Trommelfeuer der Reize aus seiner Umgebung und schwenkt bei Überlastung die weisse Fahne und schaltet sich ab. Schmerz, Rückzug, Pause!

Wieso ist das jetzt eine Fähigkeit?

Für mein Verständnis was es eine, die früher einmal viel nützlicher war. Spätestens seit Erfindung der blinkenden Neonreklame ist das jedoch vorbei. Der Mensch hat sich durch Spezialisierung vom Rest der Fauna distanziert. Während einer mit dem Speer gezielt hat, musste ein anderer aufpassen, das nichts aus dem Busch gesprungen kommt. Es brauchte solche Wahrnehmenden in der Gruppe, damit selbige bessere Überlebenschancen hatte.
Ja, das ist lange her. Aber mit Milchprodukten kommen heute auch nicht alle Menschen gleich gut klar. Das ist ebenfalls ein sehr altes Erbe.
Ich weiss nicht ob ich Recht habe. Wirklich wissen wird man das wahrscheinlich nie können. Dazu müsste man etwas wissenschaftlich untersuchen, was sich nicht mehr untersuchen lässt. Keine Ahnung wie viele Ötzis man dafür noch auftauen müsste. Aber für mich ist dieses Model in sich stimmig und erklärt mir zumindest den Migräneteil meines Kopfes.

Und was ist mit dem Cluster?

Ich habe schon im Buch dargestellt, das die Migräne für mich daherkommt wie eine eifersüchtige Frau, die dich nur für Sich haben will. Ich weiss leider nicht wie ich das Bild für die überwiegend betroffenen Frauen tran­skri­bie­ren soll, sorry. Für mich fühlt sich das ganze am Ehesten so an. Ich finde nicht gut, was da passiert, aber ich kann doch meist nachvollziehen wieso es gerade passiert. Der Clusterkopfschmerz ist von deutlich willkürlicherer Natur. Er ist eine wilde Bestie, die eher planlos alles gegen die Wand wirft, was sich ihr in den Weg stellt. Es ist tatsächlich so, das ich hier keine Idee und kein Model habe. Er ist einfach da und es macht den Umgang mit ihm aufgrund seiner Unberechenbarkeit ein gutes Stück komplizierter.

Die Migräne ist für mich ganz klar der Preis für etwas, das ich besser kann als viele andere Menschen. Für den Clusterkopfschmerz habe ich eine solche „Erklärung“ leider bis heute nich gefunden. Der ist tatsächlich einfach da und nervt. Was aber nicht bedeutet, dass man nicht auch dem Umgang mit ihm lernen kann.