Angst, Teil 2

Kann Inspirationsspuren von @manomama enthalten.

Wir waren mit dem Thema Angst noch nicht ganz durch.
Es gibt ja auch fürchterlich viel, vor dem man Angst haben kann.
Aber was ist denn diese Angst im Kern überhaupt? Wenn man sich das mal philisophisch überlegt. Also Küchenphilosophisch – Denn ich habe das ja nicht studiert. Oder Evolutionär. Auch die Küchenversion.
Vor den richtigen Dingen Angst zu haben rettete einem das Leben. Vor Säbelzahntigern z.B..
Jetzt ist es aber so, das die ausgestorben sind und nicht wir.
Über diese Form von Angst reden wir in vielen Teilen der Welt wohl nur noch selten. In so einigen allerdings leider immer noch. Aber das ist ein anderes Thema.
Wovor könnte ich noch Angst haben?
Angst vor Gruselclowns? Ah, kann sich schon keiner mehr dran erinnern.
Angst davor, das die Nordamerikaner tatsächlich Donald T. zu ihrem Präsidenten wählen könnten? Ah, das haben die inzwischen tatsächlich getan.
Ja, davor darf man berechtigterweise Angst haben. Unklar ist mir persönlich dabei, ob ich vor der Person an sich Angst haben sollte, oder vor der Tatsache das ein Mensch sich mit derart disqualifizierendem Verhalten in die Öffentlichkeit stellen kann und die Hälfte der Bevölkerung sich trotzdem hinter ihn stellt, bzw. dort stehen bleibt.
Angst davor, das es erschreckend viele Menschen gibt, die ihm trotz allem folgen, und ähnlichen Menschen in der Geschichte immer wieder gefolgt sind?
Das lässt mich in jedem Fall zweifeln.
Angst davor, das es anscheinend immer wieder Menschen gibt, die anderen Menschen böses tun und auf jede erdenkliche Art schädigen. Ob das skrupellos (nur) der eigene (finanzielle) Vorteil ist, ob Männer alleinerziehende Frauen als Fickfreiwild [1] betrachten, oder im Krieg, bzw. auch gerne gleich danach, vergewaltigen? Gruppenweise, Geplant und Organisiert.
Alles nichts neues. Passiert jeden Tag auf diesem Planeten. Seit Jahrhunderten. Mindestens.
Nordrhein-Westfalen hat an die 100 Frauenhäuser – und das sind zu wenige. Die muss es geben, weil es Männer gibt, die sich Frauen gegenüber nur mit Gewalt artikulieren können.
Das ist traurig, schrecklich und lässt mich mehr als nur zweifeln. Dabei wird mir schlecht und ich habe definitiv Angst vor dem, was zumindest in einigen Menschen wohnt.
Aber das sind alles andere Ängste. Berechtigte immerhin.
Es macht mir auch Angst, das so einige Schriftsteller, mit deren vergilbten Werken der ein oder andere zu Schulzeiten Kontakt hatte, irgendwie nicht so ganz das Vorzeigeleben geführt haben. Quasi keiner von denen hat auf Erfahrungen mit Bewusstseinserweiternden Mitteln verzichtet. Ein Heinrich von Kleist hat sich selbst erschossen, und weil er das nicht allein machen wollte, hat er eine unheilbare Kranke „dazugecastet“. Wo er das gemacht hat, da steht heute ein Denkmal. Denkmal, kein Mahnmal! Und das ist nicht das einzige.
Muss denn wirklich jeder ein Denkmal kriegen? Wer zum Teufel hat das veranlasst?
Gut, da wird mir eher schwindelig. Aber unter Menschen leben zu müssen, die das befürworten macht schon ein wenig ängstlich. Neben Menschenmassen leben zu müssen, die wahrscheinlich gar nicht wissen, das es Kleist gegeben hat, zerreisst mich dann. Jack London (Der Seewolf) hat auf diesem Planeten schon nach nur 40 Jahren die Atmung eingestellt und sein Alkoholkonsum war daran sicherlich nicht unbeteiligt. Nur drei Jahre vor einem letzten Atemzug hat er einen autobiographischen Roman veröffentlicht, in dem er seine eigene Trunksucht zum Thema macht. Geholfen hat es unter dem Strich so ungefähr ca. … eher wenig. Auf der Anuga treiben immer noch alle Aussteller einen irren Aufwand um die Kunden zu fangen. In der Halle der Brauer stehen ein paar Bierwagen und diese sind umlagerter als alles andere.
Wieder gute Gründe, aber das ist wieder nicht die richtige Angst.

„Helikoptereltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil der Schulweg durch die vielen Autos so gefährlich geworden ist.“ [2]
Aha.
Da habe ich womöglich die größte Angst vor den Reaktionen eines bornierten Piloten/einer Pilotin, sollte man diese mal mit der Hirnrissigkeit ihres Tuns konfrontieren. Es gibt Dinge, die sind so klar, das man sie niemandem erklären muss … denke ich mir zumindest manchmal. Die Praxis sieht nur irgendwie anders aus.
Angst? Weiss ich auch nicht wirklich. Aber schreien könnte ich. Und das laut.
Der Weg führt nicht zum Ziel. Mich zumindest nicht. Meine Ängste scheinen andere zu sein.
Mir fällt auf, das es etwas gibt, das diesen Ängsten gemeinsam ist.
Sie lassen sich nicht von mir beeinflussen – Die Umstände.
Es sind Dinge, die ich tatsächlich einfach aushalten muss. Ob sie mir gefallen oder nicht. Ich kann sie Ignorieren, vergessen, verdrängen, daran arbeiten sie anders zu bewerten oder krampfhaft versuchen etwas positives darin zu sehen. Kann ich! Nur ändern kann ich nichts davon.
Bringe ich das jetzt zusammen mit dem Säbelzahntiger, dann bin ich wirklich bei der Angst angekommen. Auge in Auge mit der großen Katze der nicht zum schmusen zumute ist. Wenn das nicht reicht, noch den klischeehaft üblen Atmen der einem entgegenschlägt. Jetzt wäre der Moment, wo der Körper hormonell in den höchsten Stresslevel versetzt überraschende Reaktionen zeigt.

Was ist denn diese Angst aus biologischer Sicht eigentlich? Ich denke sie darf als Stress- und Belastungszustand betrachtet werden. Was machten solche Zustände jetzt noch gleich gerne mit Migränikern und Migränikerinnen?
Wer mag, darf sich gern zurücklehnen, durchatmen, innehalten und seine Schlüsse ziehen.

Mir ist noch ein wenig danach, die Angst umzudefinieren. Denn ich glaube das es eine Stufe darunter gibt, die wir gerne mal aufwerten und uns damit am Ende keinen Gefallen tun.
Ist das wirklich Angst, oder sind es nur Bedenken?
Habe ich Angst den Termin am Wochenende nicht einhalten zu können, oder befürchte ich nur es nicht schaffen? Und wenn ich es wirklich weiterhin Angst nennen möchte. Vor was oder wem genau habe ich denn hier Angst?
Ist es letztlich nicht nur oft ein Zweifel Bedürfnisse nicht erfüllen zu können? Wessen Bedürfnisse überhaupt?
Nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen basiert ein Löwenanteil der „Ängste“ darauf Bedürfnisse anderer und gesellschaftliche Konventionen nicht erfüllen zu können. Ich gebe gern zu, das dieses (sehr) ärgerlich ist und einen nachhaltig von einer Karriere abhalten kann, aber Angst ist etwas anderes.
Dies wäre letztlich mal wieder eine Frage der Bewertung. Denn ich muss die Erwartungen von anderen ja nicht erfüllen wollen.

Da der Migräniker, und auch die Migränikerin, dieses Denken aber tendenziell ungern einstellt, baut er sich hier ein zweites Angstfundment. Auch wenn das klassische Luftschloss gar nicht mal generell negativ assoziiert wird, ist das migränische Wolkenkukucksheim nicht das klassische Spielort für das unabwendbare Happy End. Beim „was wäre, wenn“ Spiel denken wir gerne mindestens drei Ecken voraus. Was eine Unzahl von zu Möglichkeiten gibt auf die man sich vorbereiten kann.
Das ist zum einen und ersten so ganz und gar nicht effizient. Dazu gewinnt fatalerweise immer die schlechtere Möglichkeit. „Und was, wenn sie doch nicht anruft?“. Das bremst dann etwas ineffizientes zusätzlich noch aus.
Wenn du dich darin wiederfindest und etwas ändern willst, dann wirst du etwas ändern müssen.

[1] https://twitter.com/manomama/status/790966746215841792
[2] https://twitter.com/land_pomeranze/status/791138441807458307

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